Sorbisch im Unterricht

Zum Beherrschen einer Sprache gehört neben dem Sprechen auch das Schreiben und Lesen, welches Kinder mit sorbischer Muttersprache, WITAJ-Kinder und Kinder ohne sorbische Sprachkenntnisse in der Grundschule sowohl in Deutsch als auch in Sorbisch lernen.
Der Grundgedanke ist einfach: je intensiver, dauerhafter und kontinuierlicher der Kontakt mit einer Sprache ist, umso größer sind die Fähigkeiten, sich in dieser Sprache auszudrücken.
Deshalb ist es so entscheidend, dass die Schüler in der Schule sorbisch sprechen – nicht nur im Sprachunterricht, sondern im ganzen Schulalltag. Möglich wird dies durch das Konzept 2plus, welches in Sachsen an 9 Grundschulen, 6 Oberschulen und einem Gymnasium gelehrt wird.

Das Konzept 2plus
In Sachsen wird an den sorbischen Schulen nach diesem Konzept gelehrt. Die „2“ steht für die zwei Sprachen Deutsch und Sorbisch, das „plus“ für weitere Fremdsprachen.
Durch das deutsch-sorbisch geprägte Schulleben und das Erlernen weiterer Sprachen, erleben die Kinder bereits in der Schule, wie verschiedene Kulturen miteinander arbeiten und gemeinsam ihren Alltag gestalten. Dies fördert frühzeitig Toleranz, Achtung und Rücksichtnahme gegenüber fremden Kulturen.

Zwei Sprachen – bis zum Abitur

Für die Schüler wird die Schule zu einem authentischen sorbischen Sprachraum: durch den Unterricht, die Ganztagsangebote, Projekte und Veranstaltungen.
An den sorbischen Oberschulen und dem Sorbischen Gymnasium wird dieses Konzept fortgesetzt. Der Unterricht bleibt weiterhin zweisprachig und der Schulalltag weitestgehend sorbisch. Lehrpläne und Bildungsziele bleiben dieselben, wie an allen anderen öffentlichen Schulen. Die Abschlüsse sind identisch.
Das Besondere: Die sächsischen Schüler dürfen ihre Prüfungsaufsätze in der 10. Klasse in Deutsch oder Sorbisch schreiben. Zudem ist Sorbisch offizielles Prüfungsfach für das Abitur.

Die Tür zur sorbischen Schule steht jedem Kind offen

Unser Ziel ist es, so vielen Kindern und Jugendlichen wie möglich einen Zugang zu den sorbischen Schulen zu gewähren. Mitunter erfordert das ausgedehnte, ländlich geprägte Siedlungsgebiet von Eltern und Schülern die Bereitschaft, weite Wege auf sich zu nehmen.
Sind die Grundschulen in der Regel noch in Wohnortnähe, so gibt es in Sachsen nur ein sorbisches Gymnasium  Aus diesem Grund wurde für das Sorbische Gymnasium in Bautzen ein Internat eingerichtet, das Schülern von der 5. bis zur 12. Klasse ein zeitweiliges Zuhause mit sorbischsprachiger Atmosphäre bietet.

Vermittlung der sorbischen Sprache an Schulen im Freistaat Sachsen

Entsprechend dem § 2 des Sächsischen Schulgesetzes wird an sächsischen Schulen im sorbischen Siedlungsgebiet die sorbische Sprache

  •  als Unterrichtssprache (im Status der Muttersprache bzw. Zweitsprache) und/oder
  • als Zweitsprache (im Status einer Fremdsprache) angeboten.

Darüber hinaus sind an allen sächsischen Schulen Grundkenntnisse über die Geschichte und Kultur der Sorben zu vermitteln.

Am erfolgreichsten wird die sorbische Sprache in Schulen vermittelt, die nach dem Konzept 2plus arbeiten.

Nach dem Konzept 2plus wird das schulische Leben in allen Schularten dominant sorbisch gestaltet, um den Schülern bereits in der Schule optimale Anwendungsmöglichkeiten für die sorbische Sprache zu schaffen. Die Schulen, die nach diesem Konzept arbeiten, stehen allen Kindern offen, deren Eltern den Besuch dieser Bildungseinrichtungen wünschen und sich mit den angestrebten Zielen identifizieren.
Erfahren Sie mehr darüber, wie der Unterricht an schulartübergreifenden zweisprachigen sorbisch-deutschen Schulen nach dem Konzept 2plus organisiert ist.

PDF: Konzept 2plus

Im Grundschulbereich wurde mit Beginn des Schuljahres 2001/2002 an den sorbischen Grundschulen in Bautzen, Crostwitz, Panschwitz-Kuckau, Radibor, Ralbitz und Räckelwitz begonnen, nach dem Konzept 2plus zu arbeiten. An den Grundschulen in Schleife und Hoyerswerda wird in jedem Schuljahrgang in einzelnen Gruppen bzw. Klassen nach diesem Konzept gearbeitet. An den Grundschulen in Baruth und Wittichenau werden schuleigene Projekte zur Profilierung und Angleichung an das Konzept 2plus umgesetzt.

Konzept 2plus in der Grundschule
Die Alphabetisierung der Schüler in der Grundschule erfolgt bei diesem Konzept in der Regel in der Muttersprache, wobei die Eltern selbst entscheiden,  ob es sich dabei um die sorbische oder deutsche Sprache handelt. Die Alphabetisierung in der Zweitsprache erfolgt parallel, sodass die Schüler beide Alphabete im Wesentlichen innerhalb des 1. Schuljahres erlernen.
Im Rahmen des Sprachunterrichtes im Fächerblock Sorbisch, Deutsch und Sachunterricht wird der muttersprachliche Unterricht in Sorbisch bzw. Deutsch in Gruppen erteilt. Die konkrete Stundenverteilung sorbisch-deutsch erfolgt in pädagogischer Verantwortung der Schule. Für SchülerInnen mit sorbischem muttersprachlichen Hintergrund werden die weiteren Unterrichtsfächer in sorbischer Sprache erteilt. Für alle anderen Schüler erfolgt der Unterricht in diesen Fächern bilingual.

Im Oberschul- und Gymnasialbereich arbeiten die sorbischen Oberschulen in Bautzen, Radibor, Ralbitz und Räckelwitz sowie das Sorbische Gymnasium Bautzen nach dem Konzept 2plus.

Konzept 2plus im Oberschul- und Gymnasialbereich
Nach diesem Konzept wird an den sorbischen Oberschulen und am sorbischen Gymnasium neben dem Sorbischunterricht in drei weiteren Unterrichtsfächern in Sorbisch unterrichtet. In weiteren ausgewählten Fächern erfolgt der Unterricht bilingual in Modulen. Die Auswahl der Fächerkombinationen erfolgt in pädagogischer Verantwortung der jeweiligen Schule.

Sorbisch als Fremdsprache

An verschiedenen Grund- und Oberschulen sowie an Gymnasien im sorbischen Siedlungsgebiet Sachsens wird die sorbische Sprache als Fremdsprache angeboten. An Schulen mit Sorbisch als Fremdsprache wird in Klassenstufe 1 wöchentlich eine Stunde und in den Klassenstufen 2 bis 4 wöchentlich drei Stunden Sorbischunterricht angeboten.